Inhaltsübersicht
Yenidze Dresden: die Zigarettenfabrik im Gewand einer Moschee
Wer zum ersten Mal am Dresdner Hauptbahnhof aussteigt und Richtung Friedrichstadt schaut, hält kurz inne: Zwischen Bürobauten und Bahngleisen ragt eine bunte Glaskuppel auf, flankiert von schlanken Türmen, die wie Minarette wirken. Fast jeder Besucher tippt spontan auf eine Moschee. Tatsächlich steckt hinter der Fassade eine ehemalige Zigarettenfabrik, eine der ungewöhnlichsten Adressen der Stadt und ein Bauwerk, dessen Geschichte deutlich mehr Wendungen hat, als der erste Blick vermuten lässt.
Warum eine Fabrik wie eine Moschee aussieht
Der Dresdner Unternehmer Hugo Zietz gründete 1886 seine Orientalische Tabak- und Cigarettenfabrik, benannt nach einer Tabakregion im damaligen Osmanischen Reich. Als er Anfang des 20. Jahrhunderts einen Fabrikneubau plante, stand er vor einem Problem: In der Dresdner Innenstadt und ihrem Umfeld war zu dieser Zeit kein Fabrikgebäude erlaubt, das als solches erkennbar war. Statt eine typische Industriehalle zu bauen, ließ Zietz vom Architekten Martin Hammitzsch ein Gebäude entwerfen, das wie ein orientalischer Palast wirkte, mit farbig verglaster Kuppel und einem Schornstein, der als Minarett getarnt war. Als Vorbild soll die Grabmoschee des Emirs Khair Bek in Kairo gedient haben. Der Plan ging auf: Die Behörden genehmigten den Bau, und gleichzeitig hatte Zietz ein Werbemonument geschaffen, das noch heute jeder in Dresden kennt.
Bauzeit, Architektur und die Herkunft des Namens
Errichtet wurde die Yenidze zwischen 1907 und 1909, das Grundstück an der Weißeritzstraße hatte Zietz 1907 erworben. Mit rund 62 Metern Gesamthöhe zählte das Gebäude zu den höchsten Bauten Dresdens jener Zeit. Der Name geht auf das türkische Wort für eine Tabakanbauregion im heutigen Nordgriechenland zurück, in der Nähe der Stadt Xanthi, deren mild-aromatischer Tabak damals als besonders hochwertig galt und unter dem Handelsnamen Yenidje international bekannt war. Im Volksmund setzte sich schnell der Spitzname „Tabakmoschee“ durch, was den Dresdnern, die eigentlich an barocke Bauten gewöhnt waren, anfangs alles andere als leichtfiel zu akzeptieren.
Vom Zigarettenimperium zum Rohtabaklager der DDR
1924 verkaufte Hugo Zietz sein Unternehmen an die Reemtsma Cigarettenfabriken, unter deren Regie unter anderem die Marke Salem weiterproduziert wurde. Bei den Luftangriffen auf Dresden im Februar 1945 wurde etwa ein Drittel des Gebäudes zerstört, eine Bombe traf den Südflügel, auch die Kuppel erlitt schwere Schäden. Nach notdürftiger Instandsetzung zog 1953 der VEB Importtabak ein, aus dem später der VEB Tabakkontor hervorging. Von hier aus wurde sämtlicher Rohtabak für die Zigarettenfabriken der DDR gelagert und verteilt, die eigentliche Zigarettenproduktion in Dresden konzentrierte sich zu dieser Zeit im Stadtteil Striesen.
Sanierung nach der Wende und die Yenidze heute
Nach 1990 stand das Gebäude zunächst mit wechselnden Eigentümern leer, bevor es 1991 an eine private Investorengruppe verkauft und zum Bürohaus umgebaut wurde. Der beschädigte Südflügel wurde dabei wiederhergestellt. Ursprünglich war ein moderner Hotelkomplex als Ergänzung geplant, von dessen Dach eine Freitreppe bis zur Kuppel hätte führen sollen, das Projekt wurde jedoch nie umgesetzt. 1996 folgte die denkmalgerechte Sanierung, seither wird der hintere Gebäudeteil als Bürostandort für zahlreiche Dresdner Unternehmen und Verbände genutzt. 2007 erwarb ein israelischer Investor das Gebäude für geschätzte 12 Millionen Euro, seit Anfang 2014 wird es von der EB Immobilienmanagement GmbH bewirtschaftet.
Kuppelrestaurant und Yenidze-Theater
Der vordere Kuppelteil ist öffentlich zugänglich und beherbergt das Kuppelrestaurant, das sächsische und internationale Küche über zwei Etagen anbietet, ergänzt um den nach eigenen Angaben höchsten Biergarten Dresdens, der in den Sommermonaten geöffnet hat.
Kuppelrestaurant in der Yenidze
Weißeritzstraße 3, 01067 Dresden
Telefon: 0351 4905990
Öffnungszeiten: täglich 12:00 bis 22:00 Uhr
Direkt unter der Kuppel finden außerdem regelmäßig Veranstaltungen des Yenidze-Theaters statt, das unter dem Motto „Tradition trifft Innovation“ klassische und zeitgenössische Tanz- und Theaterstücke, Lesungen, Workshops, Live-Musik und Ausstellungen zeigt, häufig mit Bezug zu orientalischer und westlicher Kunst gleichermaßen. Wer eine der bekannten Märchenlesungen unter der Kuppel erleben möchte, findet aktuelle Termine über das Restaurant oder das Theater.
Lage, Anreise und Adresse
Die Yenidze liegt an der Weißeritzstraße 3, 01067 Dresden, am östlichen Rand der Friedrichstadt, unweit des Internationalen Congress Centers und rund zehn Gehminuten von der Altstadt entfernt. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht man sie über die S-Bahn-Linien S1 und S2 sowie mit den Straßenbahnlinien 1, 2, 3 und 10, jeweils ab der Haltestelle Dresden Mitte.
Praktische Tipps für den Besuch
Von außen lässt sich die Yenidze jederzeit kostenlos besichtigen, ein Rundgang um das Gebäude offenbart immer neue Details der Fassade. Wer den Innenraum unter der Kuppel sehen möchte, bucht am einfachsten einen Tisch im Kuppelrestaurant oder besucht eine der Theaterveranstaltungen, ein spontaner Besuch nur zur Besichtigung ist außerhalb der Gastronomie- und Veranstaltungszeiten nicht möglich. Am eindrucksvollsten wirkt die Fassade bei tief stehender Sonne am späten Nachmittag oder abends, wenn die Kuppel beleuchtet wird. Ein Abstecher zur Yenidze lässt sich gut mit einem Spaziergang zum nahen Kongresszentrum oder weiter Richtung Altstadt und Zwinger verbinden.
Häufige Fragen zur Yenidze Dresden
Warum sieht die Yenidze aus wie eine Moschee?
Weil Fabrikgebäude in der Dresdner Innenstadt um 1900 nicht als solche erkennbar sein durften. Fabrikant Hugo Zietz ließ deshalb ein Gebäude im orientalischen Stil errichten, das zugleich als Werbemonument für seine Tabakfabrik diente.
Wie alt ist die Yenidze?
Errichtet wurde sie zwischen 1907 und 1909 nach Plänen des Architekten Martin Hammitzsch, das Gebäude ist somit über 115 Jahre alt.
Kann man die Yenidze von innen besichtigen?
Der vordere Kuppelbereich ist über das Kuppelrestaurant sowie Veranstaltungen des Yenidze-Theaters zugänglich, der hintere Gebäudeteil wird als Bürostandort genutzt und ist nicht öffentlich zugänglich.
Woher stammt der Name Yenidze?
Er geht auf eine Tabakanbauregion im damaligen Osmanischen Reich nahe der heute griechischen Stadt Xanthi zurück, deren Tabak unter dem Handelsnamen Yenidje als besonders mild und aromatisch galt.
Wie kommt man zur Yenidze?
Mit der S-Bahn S1 oder S2 sowie den Straßenbahnlinien 1, 2, 3 und 10 bis Dresden Mitte, von dort sind es nur wenige Gehminuten bis zur Weißeritzstraße 3.